Dennis Reinhold, Spieler und Capitan des SCW Liemke, vor dem Training / Foto: Patrick Pollmeier - paddelproduction.de

 

Dennis Reinhold

IM INTERVIEW MIT HENDRIK FAHRENWALD (WESTFALENBLATT 2016) / Foto: Patrick Pollmeier - paddelproduction

 

Sie sind ein Liemker Urgestein. Haben Sie schon immer für den SCW gespielt?
Beim SCW spiele ich seit den Mini-Kickern. Zwischendurch war ich aber einmal in Schloß Holte, weil wir keine eigene D-Jugend hatten.

Seit Jahren sind Sie auf der Stürmerposition zu Hause. Waren dort auch Ihre Anfänge?
In der Jugend war ich immer rechtsaußen oder vorne drin. Bei den Senioren nicht. Ich kam gerade aus der Jugend hoch, da hatte sich der Torwart beim Warmmachen verletzt. Da habe ich mich ins Tor gestellt, einen Elfmeter gehalten und den ersten Sieg geholt. Zwei, drei Spiele habe ich danach noch im Tor gemacht. Wo der Trainer mich aufgestellt hat, habe ich gespielt. Ich hatte Bock zu spielen und habe alles gespielt.

Wann kam der Schritt in die erste Elf?
Seit dem Aufstieg 2012 habe ich mich festgespielt. Vor drei Jahren kam das Kapitänsamt. Das hat sich alles nach und nach ergeben.

Seit der Rückrunde vertraut Ihr Trainer Oliver Görlich auf eine Zweierspitze. Haben Sie Probleme mit dem ungewohnten Nebenmann?
Es war auf jeden Fall eine Umstellung. In der Hinrunde haben wir es das erste Mal gegen Sende probiert. Das war ein Gedankenblitz unseres Trainers, ohne dass wir es vorher geübt haben. Jetzt habe ich ganz andere Wege. Gegen den Ball habe ich nicht mehr den Zehner auf meiner Höhe, sondern jetzt mit Timo Greitens einen Sturmpartner.

Eine gute Situation für einen Nachwuchsspieler, der Sie vor sich hat, um zum Zug zukommen oder?
Am Anfang als Greitens in der A-Jugend gespielt hat, hat er noch gesagt: ›Hör mal auf zu spielen, sonst habe ich keine Chance in der Ersten.‹ Dann habe ich ihm gesagt: ›Vielleicht spielen wir irgendwann Doppelspitze.‹ Jetzt machen wir es so.

Greitens ist nicht das einzige Talent, das derzeit aus der Jugend hochkommt....
Da kommt immer etwas nach. Wir sind in der Jugend sehr gut aufgestellt. In der zweiten Halbzeit in Mastholte war ich der Älteste auf dem Platz. Wir haben schon einen ziemlich guten Altersdurchschnitt.

Denken Sie vor dem Tor viel nach oder spielt mehr Ihr Instinkt eine Rolle?
Ich komme komplett über den Instinkt. Ich kann auch manche Laufwege nicht erklären. Wenn du nachdenkst, dann machst du ihn nicht rein.

Sehen Sie sich innerhalb der Mannschaft in einer besonderen Rolle?
Nein, wenn meine Leistung stimmt und die Trainer mich aufstellen, dann spiele ich. Aber ich bin auch der Letzte, der meckert. Nach dem Motto: Wieso spiele ich nicht, ich bin Dennis Reinhold. Das ist nicht meine Art.

Dabei macht das Kapitänsamt keinen Unterschied?
Nein, da ich beruflich nur einmal die Woche trainieren kann, habe ich der Mannschaft gesagt, wenn jemand anderes Kapitän sein will, dann können sie ihn wählen. Ich rede nicht weniger, wenn ich die Binde nicht hätte.

Sind Sie denn eher der ruhige Anführer oder werden Sie auch laut?
Ich bin jetzt nicht so, dass ich der große Motivator bin. Ich versuche durch meine Leistung voranzugehen. Ich bin nicht der, der die großen Worte findet. Da bin ich einfach nicht der Typ für.

Sie sind auch nicht der Typ für bestimmte Rituale vor dem Spiel?
Nein, nicht wirklich. Den Abend vor dem Spiel gehe ich nicht feiern, das kann ich nicht ab. Das ging vielleicht mal als ich 18 war. Ich gehe aber noch nicht um acht Uhr ins Bett.

Nach dem zweiten Platz im Vorjahr war der Anspruch groß. Dem konnte die Mannschaft noch nicht gerecht werden. Wo sehen Sie die Gründe?
Auf der einen Seite haben wir, glaube ich, in der Hinrunde nicht einmal mit der gleichen Innenverteidigung gespielt. Die Verletzungen haben sich durchgezogen. Auf der anderen Seite hatten wir den Trainerwechsel.

Der hat damals für große Verwunderung gesorgt...
Wir wollten den Wechsel. Dieter Ernesti war eher der Motivator. Bei Oliver geht es schon mehr ins Taktische. Das ist ein Reifeprozess. Wir haben vielleicht am Anfang nicht alles umsetzten können, darunter haben auch einige Spiele gelitten. Beispielsweise haben wir in Rheda 1:9 verloren. Das tut dann schon weh, wenn du dich so abschlachten lässt. Da ist mein Ego zu groß, dass man danach nicht mehr drüber nachdenkt.

Dennoch seid Ihr zurückgekommen und mischt weiter oben mit...
Das zeichnet uns auch als Mannschaft aus. Das ist schon eine geile Truppe, dass passt zusammen.

Wie sehen Ihre Ziele mit dem Team bis zum Saisonende aus?
Die ersten Beiden sind zu weit weg. Ansonsten ist alles ziemlich eng. Unser Ziel ist es, oben dran zu bleiben. Wir haben uns stabilisiert und in der vergangenen Saison einen draufgesetzt. Das zu toppen ist schwierig.

Ist denn bei Ihrer Torausbeute auch noch ein wenig Luft nach oben?
Ja, mein persönliches Ziel ist es, jede Saison immer ein Tor mehr zu erzielen, als in der zurückliegenden. Wenn ich über die 20 Saisontore komme, wäre das toll.

Dadurch machen Sie auch auf sich aufmerksam. Kommt ein Wechsel für Sie in Frage?
Nein, ich will hierbleiben.

Weil Sie noch etwas bestimmtes mit dem Verein vorhaben?
In der Jugend wurden wir einmal von unserem Trainer gefragt, was unsere Ziele sind. Da habe ich gesagt: ›Mit Liemke einmal überkreislich spielen.‹ Das ist weiterhin mein Ziel. Das wäre schon geil, wenn wir das schaffen. Vor allem, weil wir alle Liemker Jungs sind. Grothusheidkamp, Bartels, Brüggemeier und Fischer zum Beispiel. Die kommen von hier und die waren hier schon immer. Rundherum alle zahlen Kohle für ihre Spieler. Wir nicht. Und vielleicht schaffen wir auch so den Schritt, in den nächsten paar Jahren überkreislich zu spielen.