Fotografien aus dem Orient: Dubai, Abu Dhabi, Muscat, Bahrein - Fotografiert von Patrick Pollmeier

Im Orient


Eine Woche im Orient. Das kann viel Bedeuteten. Nach meinem dreiwöchigen Aufenthalt in den USA stellte sich ein Gefühl von visueller Erschöpfung ein. Vor Antritt der Reise versuchte ich mir selbst zu erklären, in dieser Woche vielleicht einmal nicht an einer Strecke zu arbeiten. Schon bei der Handgepäckkontrolle und dem Ausräumen des Fotorucksacks vor dem Betreten des Fliegers durfte ich jedoch merken, was mein Unterbewusstsein für die Reise geplant hatte.
Als die Räder des Flugzeugs das nächste Mal den Boden berühren und ich durch die kleinen Fenster eine der berühmtesten Metropolen des Vereinigten Arabischen Emirate sehe, ist plötzlich nichts mehr von der zuvor noch verspürten visuellen Erschöpfung zu merken. Der Reiz des Exotischen gewinnt die Kontrolle über meinen Blick. Ich bin maßlos überfordert, als ich merke wie wenig Zeit mir zur Verfügung steht um all das in Bilder zu fassen, was ich gerade sehe. Es ist hart, aber ich muss mich auf einen Aspekt konzentrieren.

Die Metropolen des Orients wachsen von Woche zu Woche weiter in unfassbaren Dimensionen. Was innerhalb einer Generation auf den Sand der Wüste gebaut wurde, sprengt jegliche Vorstellungskraft. Es scheint kein Ende in Sicht zu sein. Mir stellt sich jedoch die Frage, in welche Richtung die Entwicklung dieser Metropolen weiter geht. Sind sie nun schon jetzt dem Untergang geweiht?

 


Beendet die Finanzkrise nach Jahren des Aufschwungs den Boom in Dubai? Die Immobilienmärkte sind schon eingebrochen, Experten beobachten Preisstürze von 30 Prozent und mehr innerhalb weniger Monate. Betroffen sind auch deutsche Anleger - sie haben Millionen in die Golfregion überwiesen. Hamburg - Noch ein Mal ein Superlativ. Mit dem größten Feuerwerk, das die Welt bisher gesehen hat, einem 20-Millionen-Dollar-Spektakel, wurde in Dubai jüngst die Inselwelt "Palm Jumeirah" und darauf die Luxusherberge "Atlantis The Palm" eröffnet. Robert de Niro, Kylie Minogue, Charlize Theron, Basketball-Legende Michael Jordan und, und, und: Die Gästeliste laß sich wie das Adressbuch von Oprah Winfrey. Ein Who is Who der Prominenz. Der größte, die größte, das größte - so hieß es bisher oft in Dubai. Von 2000 bis 2006 wuchs die Wirtschaft dort laut örtlicher Handelskammer um jährlich 17,9 Prozent. Künftig dürfte sich das jedoch ändern. Vieles deutet darauf hin, dass der Boom, den das Emirat in den vergangenen Jahren erlebt hat, vorläufig zu Ende geht. Für das kommende Jahr geht die Kammer laut Zeitung "Gulf News" jedenfalls nur noch von einer Wachstumrate von 6 Prozent aus. Selbst die Feier auf der neuen "Palm", bei der die VIPs am Ende angeblich 1,7 Tonnen Hummer, 4000 Austern und 50 Kilogramm Gänseleber verputzt hatten, wurde im Vorfeld heftig kritisiert. "Das war seit einem Jahr geplant", sagt ein Beobachter vor Ort. "Die Party zu feiern war gegenüber der Möglichkeit sie abzublasen lediglich das geringere Übel." Das Problem: Die weltweiten Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben das Ausnahme-Emirat am persischen Golf in den vergangenen Monaten mit Wucht getroffen. Noch bis zum Sommer gab es kaum Anzeichen dafür. Als die Dubaier im August und September jedoch aus dem Urlaub zurückkamen, mussten sie feststellen: Die Krise hatte inzwischen den Creek erreicht. Die Börsenkurse etwa waren um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Besonders drastisch zeigt sich der Abschwung zudem auf den Immobilienmärkten, wo Investoren aus aller Welt mehr als anderswo in den vergangenen Jahren eine großvolumige Spekulationsblase aufgepumpt haben. "Die Blase ist geplatzt", sagt Fadi Moussalli, Regional Direktor des internationalen Immobilienberaters Jones Lang LaSalle (JLL) in Dubai, im Gespräch mit manager-magazin.de. "Jeder wusste, die Immobilienpreise waren überbewertet. Jetzt wollte über Nacht jeder verkaufen, aber keiner wollte kaufen." Die Folgen sind - wie immer in solchen Marktphasen - ein drastischer Einbruch des Transaktionsvolumens und heftige Preisstürze. Hunderte Immobilienleute, so wird berichtet, haben bereits ihre Jobs verloren. "Die Preise sind in wenigen Monaten um mehr als 30 Prozent gefallen", sagt Moussalli. "Wohnimmobilien sind davon ebenso betroffen wie Gewerbeobjekte."

"Ende des Booms" von  Christoph Rottwilm - ManagerMagazin 01.12.2008


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