Serkan Akman im Interview mit Hendrik Fahrenwald Fotos von Patrick Pollmeier

Serkan Akman

IM INTERVIEW mit HENDRIK FAHREnWALD (Westfalenblatt 2016) / Foto: Patrick Pollmeier
 

Sie sind nicht nur der Jüngste, sondern auch der Kleinste im Team. Wie groß sind Sie?
Akman: Ich bin so um die 1,48 Meter groß.

Besteht bei Ihnen eine Form der Kleinwüchsigkeit?
Akman: Ich bin nicht kleinwüchsig, sondern ich habe eine bestimmte Knochenschwäche.

Fühlen Sie sich aufgrund ihrer Größe manchmal auf dem Fußballplatz unterlegen?
Akman: Man sieht schon, dass die Gegner so um die zwei, drei Köpfe größer sind. Für mich ist das aber kein Hindernis. Ich sehe die als normale Gegner. Die können aussehen, wie sie wollen, ich spiele meinen normalen Fußball und gut ist.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?
Akman: Ich habe angefangen, als ich zwei Jahre alt war. Fußball ist schon früh mein Leben geworden. Der Ball war und ist immer mein Freund. In meiner Jugend habe ich viele Probetrainings gemacht, auch bei höherklassigen Vereinen, die wollten mich meist aber nicht aufgrund meiner Größe.

Dann haben Sie aber einen großen Schritt gemacht…
Akman: ...ja, ich habe mich nie unterkriegen lassen und bin in der A-Jugend von der Kreisliga C in die Landesliga zum VfB Fichte gekommen. Um ehrlich zu sein, ich wusste damals noch nicht, was es heißt, den Ball klatschen zu lassen. Ich habe dort sehr viele Sachen gelernt. Dann ging es zum FC Gütersloh 2000 und seit Sommer bin ich in Stukenbrock.

Haben Sie dort bestimmte Vorbilder?
Akman: Engin Yildiz ist überragend. Bei ihm kann ich so viel lernen. Er bringt mir jeden Tag etwas Neues bei und seine Geschichten sind auch immer sehr lustig. Auf ihn kannst du dich verlassen, wenn mich kein anderer zum Training abholen kann, dann rufe ich ihn an und er fährt mich.

Ihre Gegenspieler können Sie oftmals nicht stoppen. Welche Vorteile verschafft Ihnen die Größe?
Akman: Die meisten unterschätzen mich. Wenn ich in die Zweikämpfe gehe, dann komme ich meist über mein Tempo und mit einer Körpertäuschung habe ich sie oftmals schon ausgetanzt. Wenn ich den Ball habe, kann man mich nicht stoppen.

Das führt oftmals zur Verwunderung, aber auch zur Begeisterung bei Ihren Gegenspielern.
Akman: Nach dem Spiel bekomme ich immer Freundschaftsanfragen auf Facebook. Sie fragen mich, wie ich so spielen kann. Das ist so schön, so etwas zu hören. Ich bin glücklich, genau so zu sein, wie ich bin. Durch den Fußball kennen mich sehr viele. Ich gehe durch die Stadt und werde erkannt. Letztens hat mich sogar jemand in einem Schnellimbiss angesprochen und mich gelobt.

Also machen Sie auch neben dem Platz keine negativen Erfahrungen aufgrund Ihrer Größe?
Akman: Nein, ich werde nicht anders behandelt oder ausgelacht. Es ist wie beim Fußball: Erst unterschätzen sie mich, aber wenn sie sehen, was ich kann, dann sind sie meine größten Fans.

Mathieu Valbuena, ein französischer Fußballer, ist 1,63 Meter groß. Er wird von seinen Fans und Teamkollegen »p’tit vélo« – »kleines Fahrrad« genannt. Wie ist Ihr Spitzname?
Akman: Meinen ersten Spitznamen habe ich früher bei einem Kindergarten-Turnier bekommen. Eines Tages kam der Turnierleiter zu mir, hob mich hoch und sagte: »Das ist der neue Maradona«. Beim FC feuert mich unser Unterstützer Heribert Bories immer mit »Aki, Aki« an.

Mit Bories langjährigem Schützling und Profi-Trainer Ayhan Tumani kam ein weiterer Unterstützer an den Seitenrand. Wie waren die ersten Wochen mit ihm?
Akman: Von Tumani können wir sehr viel lernen. Er hat ja auch beim FC angefangen und dann später Bundesliga gespielt. Man sieht also, dass der Schritt geht, wenn man hart kämpft.

Ist es ein Weg, den auch Sie einschlagen wollen?
Akman: Mein Ziel ist es, immer höher zu spielen. Man sieht, dass man Schritt für Schritt gehen muss. Vielleicht kommen irgendwann Angebote von höheren Mannschaften.

Am Sonntag geht es zu Hause gegen Viktoria Rietberg. Wie bereiten sie sich optimal auf ein Spiel vor?
Akman: Ich bete immer vor den Spielen, das hilft mir. Ich konzertiere mich immer auf den Gegner. Zum Beispiel achte ich schon beim Warmmachen auf meine Gegenspieler, wie sie sich mit dem Ball verhalten.

Wie ist der Teamgeist unter den Stukenbrockern?
Akman: Es gibt bestimmt viele Leute, die uns nicht mögen oder uns schlecht darstellen wollen. Aber wir sind eine Mannschaft, halten zusammen und sind immer für einander da.

Was erwarten Sie vom Rest der Rückrunde?
Akman: Unsere Chancenverwertung muss besser werden. Wir wollen von den Abstiegsplätzen natürlich wegkommen.